Wintergarten Wohnfläche Erfurt – wie § 4 WoFlV kalte und beheizte Glasräume anrechnet

Voll, zur Hälfte oder zu einem Viertel: Wir erklären die vier Nummern der Wohnflächenverordnung und rechnen zwei Beispiele für einen Erfurter Glasanbau durch.

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Redaktion Wintergarten Erfurt · Inhaltlich geprüft · Zuletzt aktualisiert: 14.10.2026

In drei Sätzen: Ein unbeheizbarer Wintergarten zählt nach § 4 Nr. 3 WoFlV zur Hälfte zur Wohnfläche. Ein beheizbarer Wintergarten wird wie jedes Zimmer behandelt – voll bei mindestens 2 m lichter Höhe (Nr. 1), zur Hälfte zwischen 1 und 2 m (Nr. 2). Eine offene, nur überdachte Terrasse zählt dagegen in der Regel zu einem Viertel, höchstens zur Hälfte (Nr. 4).

Die Frage taucht spätestens auf, wenn ein Haus vermietet, verkauft oder bewertet wird. Wer einen Glasanbau plant, sollte die Regeln vorher kennen, denn die Entscheidung zwischen kalt und beheizt wirkt sich direkt auf die anrechenbare Fläche aus. Was das für einen beheizten Raum bedeutet, zeigt auch unsere Seite Wohnwintergarten in Erfurt.

Wintergarten und Wohnfläche: § 4 WoFlV Nummer für Nummer

§ 4 der Wohnflächenverordnung hat keine Absätze, sondern vier Nummern. Jede regelt eine Art von Fläche (§ 4 WoFlV, gesetze-im-internet.de):

NummerFlächeAnrechnung
Nr. 1Räume und Raumteile mit mindestens 2 m lichter Höhevollständig
Nr. 2Räume und Raumteile mit mindestens 1 m und weniger als 2 m lichter Höhezur Hälfte
Nr. 3unbeheizbare Wintergärten, Schwimmbäder und ähnliche nach allen Seiten geschlossene Räumezur Hälfte
Nr. 4Balkone, Loggien, Dachgärten und Terrassenin der Regel ein Viertel, höchstens die Hälfte

Der Wintergarten taucht also zweimal auf: ausdrücklich in Nr. 3, wenn er unbeheizbar ist, und indirekt in Nr. 1 und 2, wenn er beheizbar ist und damit als gewöhnlicher Raum gilt. Flächen unter 1 m lichter Höhe werden nicht angerechnet.

Was „unbeheizbar“ bedeutet

Die Verordnung spricht von unbeheizbar, nicht von unbeheizt. Es kommt also nicht darauf an, ob Sie tatsächlich heizen, sondern ob der Raum dafür ausgestattet ist.

  • Unbeheizbar: keine fest installierte Heizung, allenfalls ein mobiles Gerät gegen Frost.
  • Beheizbar: Heizkörper am Heizkreis, Fußbodenheizung oder eine fest montierte Heizung, die den Raum dauerhaft temperiert.

Wer den Glasraum später nachrüstet, ändert damit auch seine Einordnung nach der WoFlV. Welche Bauart zu welcher Nutzung passt, vergleicht der Ratgeber Ratgeber: Kaltwintergarten oder Wohnwintergarten?.

Wichtig: Beheizbar und gedämmt heißt nicht automatisch voll angerechnet: Auch im beheizten Wintergarten zählt nach Nr. 2 nur die Hälfte, wo die Dachschräge die lichte Höhe unter 2 m drückt.

Lichte Höhe und Dachschräge im Wintergarten

Die meisten Wintergärten haben ein Pultdach, das von der Hauswand zum Garten hin abfällt. Vorn, an der Traufe, kann die lichte Höhe unter 2 m liegen. Für einen beheizbaren Raum heißt das:

  • Fläche mit mindestens 2 m lichter Höhe: voll (Nr. 1),
  • Streifen zwischen 1 und 2 m: zur Hälfte (Nr. 2),
  • Bereiche unter 1 m: gar nicht.

Beim unbeheizbaren Wintergarten spielt die Höhe dagegen keine Rolle, er zählt nach Nr. 3 insgesamt zur Hälfte.

Wintergarten mit Pultdach an einem Wohnhaus in Erfurt
Beim Pultdach entscheidet die Traufhöhe darüber, ob ein Streifen vorn im beheizten Raum nur zur Hälfte zählt.

Zwei Rechenbeispiele für einen Glasanbau in Erfurt

Angenommen, ein Wintergarten hat 16 m² Grundfläche. Unter der Dachschräge an der Gartenseite liegen davon 3 m² mit einer lichten Höhe zwischen 1 und 2 m.

VarianteRechnungWohnfläche
unbeheizbarer Kaltwintergarten16 m² × ½ (Nr. 3)8 m²
beheizbarer Wohnwintergarten13 m² voll (Nr. 1) + 3 m² × ½ (Nr. 2)14,5 m²

Der Unterschied beträgt bei gleicher Grundfläche 6,5 m². Bei einem größeren Glasraum oder einer steileren Dachneigung verschiebt sich das Verhältnis entsprechend.

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Wann die Wohnflächenverordnung überhaupt gilt

Verbindlich vorgeschrieben ist die WoFlV vor allem für öffentlich geförderten Wohnraum. In der Praxis wird sie aber oft auch in anderen Fällen herangezogen:

  • in Mietverträgen, wenn sie dort als Berechnungsgrundlage vereinbart ist,
  • in Exposés und Kaufverträgen, um Flächenangaben vergleichbar zu machen,
  • bei Wertermittlungen als eine mögliche Grundlage.

Andere Regelwerke wie die DIN 277 rechnen nach eigenen Regeln. Steht in einem Dokument eine Fläche, fragen Sie immer nach der Methode.

Wohnfläche und Thüringer Bauordnung: zwei verschiedene Fragen

Die WoFlV beantwortet, wie viel Fläche angerechnet wird. Ob Sie den Glasraum ohne Verfahren bauen dürfen, regelt die Bauordnung. In Thüringen ist ein Wintergarten nur verfahrensfrei, wenn er unbeheizt ist und höchstens 20 m² Grundfläche und 75 m³ Brutto-Rauminhalt hat (§ 63 ThürBO).

Die Gesetzesbegründung beschreibt den verfahrensfreien Wintergarten als Raum, der durch Wand und Tür vom Haus getrennt ist – ausdrücklich kein Aufenthaltsraum, bei dem nur Wände durch Glas ersetzt werden (Drs. 7/9641). Ein beheizter Wohnwintergarten, der voll als Wohnfläche zählen soll, ist damit auch baurechtlich ein anderes Vorhaben. Details im Ratgeber: Wintergarten Baugenehmigung Thüringen.

Was gilt bei einem verglasten Balkon?

Ein Balkon zählt nach § 4 Nr. 4 WoFlV in der Regel zu einem Viertel, höchstens zur Hälfte. Ob eine Verglasung daraus einen nach allen Seiten geschlossenen Raum macht, hängt von der Ausführung ab. Baurechtlich nennt § 63 ThürBO Balkonverglasungen nicht; wir stellen sie deshalb nicht als verfahrensfrei dar und klären die Einordnung im Einzelfall.

Typische Missverständnisse bei der Wohnfläche

  • „Glasdach heißt Wintergarten.“ Nein – solange die Seiten offen sind, bleibt es eine Terrasse nach Nr. 4.
  • „Gedämmt heißt voll angerechnet.“ Entscheidend ist die Beheizbarkeit, und auch dann zählen niedrige Bereiche nur zur Hälfte.
  • „Ein Heizlüfter genügt.“ Ein mobiles Gerät macht einen Raum in der Regel nicht beheizbar im Sinne der Verordnung.
  • „Die WoFlV gilt immer.“ Sie ist vor allem für geförderten Wohnraum verbindlich, sonst zählt die vereinbarte Methode.

Wer Fläche angibt, sollte also immer dazusagen, wie gerechnet wurde. Das schützt vor Streit – mit Mietern ebenso wie mit Käufern.

Häufige Fragen zu Wintergarten und Wohnfläche in Erfurt

Zählt ein Wintergarten zur Wohnfläche?

Ja, in welchem Umfang hängt von der Beheizbarkeit ab. Nach § 4 Nr. 3 WoFlV wird ein unbeheizbarer Wintergarten zur Hälfte angerechnet. Ist er beheizbar, gilt er als gewöhnlicher Raum: Flächen mit mindestens zwei Metern lichter Höhe zählen nach Nr. 1 voll, Flächen zwischen einem und zwei Metern nach Nr. 2 zur Hälfte.

Wie wird eine Terrasse mit Glasdach angerechnet?

Eine offene Terrasse, auch mit Dach, fällt unter § 4 Nr. 4 WoFlV: in der Regel zu einem Viertel, höchstens zur Hälfte. Erst wenn der Raum nach allen Seiten geschlossen ist, kann er als Wintergarten zur Hälfte oder als beheizbarer Raum voll zählen. Seitlich offene Überdachungen bleiben also Terrassen im Sinne der Verordnung.

Macht ein mobiler Heizlüfter den Wintergarten beheizbar?

In der Regel nicht. Entscheidend ist, ob eine fest installierte Heizung vorhanden ist, mit der sich der Raum wie ein Wohnraum temperieren lässt, etwa Heizkörper am Heizkreis oder eine Fußbodenheizung. Ein Gerät aus der Steckdose ändert die Einordnung normalerweise nicht. Im Streitfall entscheidet der Einzelfall, daher klare Angaben im Vertrag festhalten.

Gilt die Wohnflächenverordnung für jeden Wintergarten?

Nein, verbindlich ist sie vor allem für öffentlich geförderten Wohnraum. In vielen Miet- und Kaufverträgen wird sie aber vereinbart oder als Maßstab herangezogen. Andere Regelwerke, etwa die DIN 277, rechnen anders. Prüfen Sie deshalb in Ihrem Vertrag, welche Methode gilt, bevor Sie Flächenangaben vergleichen.

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